"überwiegend künstlerisch tätig"

  • In letzter Zeit hatte ich mit Kollegen, Bekannten und früheren Mitazubis öfters die Debatte, wie angestellte Veranstaltungstechniker oder Meister für Veranstaltungstechnik zu entlohnen wären.

    Viele Theater stellen offensichtlich ihre Techniker als "überwiegend künstlerisch tätig" ein, um eine Eingruppierung nach TVöD zu umgehen und die Techniker so wie Musiker auf der Bühne zu entlohnen. Das bedeutet eine erhebliche Einsparung im Vergleich zur Eingruppierung als TVöD/VKA und für den Mitarbeiter deutlich weniger Geld.

    Aber, wie kann ein Veranstaltungstechniker oder Meister überhaupt "überwiegend künstlerisch" arbeiten?


    So wie ich "meinen" Beruf verstehe, bin ich Techniker (wie der Name des Berufes auch sagt) und damit überwiegend technisch tätig. Die Künstlerische Tätigkeit beschränkt sich darauf, die Anweisungen von Regisseuren und Planern nach deren Wünschen umzusetzen

    So wie ich den Begriff "künstlerisch" verstehe, müsste man "eigenschöpferisch" tätig sein.


    Wie seht ihr das?

  • im Grunde genau so, ist irgendwie das "Gegenstück" zu der Diskussion ob man sich als freier Techniker bei der Künstlersozialkasse versichern kann - weil man ja künstlerrich (Licht-Ton-Video-Bühnenbild) tätig ist. - klapt aber meist nicht :D


    Ich weiß von einigen festen Häusern die genau auf Grund dieser von dir genannten "Verwaltungsstrategie" ihre freien Stellen nicht besetzt bekommen weil es einfach mehr Mitbewerber gibt die besser zahlen.

  • also ich werde nach TVöD bezahlt, da wir neben den veranstaltungsarbeiten auch noch die haustechnik betreuen. der künstlerische anteil hält sich dadurch leider in grenzen, dafür ist der job einigermaßen sicher und vernünftig bezahlt.


    ein meister für veranstaltungstechnik hat meiner ansicht nach ganz klar verantwortliche tätigkeiten zu erledigen, das hat ebenfalls eher wenig mit „künstlerisch“ zu tun. zumindest dieser posten müsste korrekt bezahlt werden.

  • Die Anstellung der Techniker nach NV Bühne (Einstiegsgehalt 1600€ brutto) ist ja leider schon so was wie Standard an klammen städtischen Bühnen, gerne auch noch (ketten-)befristet um im Fall von Haushaltsengpässen das Theater ohne grosses Arbeitsrechtliches Tamtam auch mal eine Zeit lang dicht machen zu können.

    Neu ist der Versuch das auch auf Meister auszudehnen:


    http://anhaltisches-theater.de/stellenangebote


    Da wird´s dann schon echt dreist...

  • Da kann man nur raten, dass alle Betroffenen in die Gewerkschaft eintreten und dafür sorgen, dass der NV neu verhandelt wird oder dass eben nicht nach NV bezahlt wird.

    -> Branchenspezifische Schulung zu Lenk- und Ruhezeiten und digitalem Tacho
    -> Betreuung als Fachkraft für Arbeitssicherheit

  • um eine Eingruppierung nach TVöD zu umgehen und die Techniker so wie Musiker auf der Bühne zu entlohnen. Das bedeutet eine erhebliche Einsparung im Vergleich zur Eingruppierung als TVöD/VKA und für den Mitarbeiter deutlich weniger Geld.

    Da geht´s meines Erachtens nach gar nicht so sehr um die Gagenhöhe (TVöD EG5 ist auch nicht wirklich viel Geld für eine ausgelernte Fachkraft...) sondern vor allem darum den Status "Planstelle im Haushalt des öD" zu vermeiden. Wer da drauf sitzt ist nach spätestens 3 Jahren betrieblich de facto unkündbar.

  • (TVöD EG5 ist auch nicht wirklich viel Geld für eine ausgelernte Fachkraft...)


    Kann nicht meckern, bekomme zwar EG6, aber übers Jahr gerechnet deutlich mehr als die meisten meiner Schulfreunde, die "nur" einen Facharbeiter haben. Nur die Facharbeiter in der Industrie bekommen mehr.

    Der Tarifvertrag, dem die NV Bühne zugrunde liegt, ist ja leider nicht öffentlich und kostet Geld, nach Gesprächen mit Leuten des örtlichen Theaters bekommen jene aber rund 600€ brutto weniger und keine Zulagen für Wochenend- und Nachtarbeit.

  • Naja in dem Business zu Überleben ist doch irgendwie Kunst!

    *ba-dummts* Sarkasmus angekommen. Zurück zum Thema:


    Wer nach NV Bühne bezahlt wird sollte Mitglied in der GDBA werden. Eigentlich. Wann haben die das letzte Mal gestreikt...? Mag sein dass sie als Vertretung der Schauspieler, Musiker und anderer klassischer Theaterberufe einen guten Job machen. Aber die haben auch ganz andere Arbeitszeitregelungen die ihnen erlauben z.T. sehr lukrativen Nebentätigkeiten (Unterricht, Moderation, eigene Auftritte) nachzugehen. Das passt nicht wirklich.


    Der Tarifvertrag, dem die NV Bühne zugrunde liegt, ist ja leider nicht öffentlich und kostet Geld, nach Gesprächen mit Leuten des örtlichen Theaters bekommen jene aber rund 600€ brutto weniger und keine Zulagen für Wochenend- und Nachtarbeit.

    Das ist eigentlich ganz einfach: Einstiegsgehalt sind praktisch immer die 1600€. Mehr gibts dann wenn a) der Betrieb halbwegs gut läuft (Zuschauerzahlen) und/oder das Angebot am lokalen Markt dünn genug ist dass der Techniker mit der Drohung zu gehen ernsthafte Sorgen bei der Intendanz auslösen kann. Sonst nicht.

    Ich weiß von einigen festen Häusern die genau auf Grund dieser von dir genannten "Verwaltungsstrategie" ihre freien Stellen nicht besetzt bekommen weil es einfach mehr Mitbewerber gibt die besser zahlen.

    Endlich!

  • Da geht´s meines Erachtens nach gar nicht so sehr um die Gagenhöhe (TVöD EG5 ist auch nicht wirklich viel Geld für eine ausgelernte Fachkraft...) sondern vor allem darum den Status "Planstelle im Haushalt des öD" zu vermeiden. Wer da drauf sitzt ist nach spätestens 3 Jahren betrieblich de facto unkündbar.


    Ja- hier:Fachkraft (Externenprüfung) mit EG5... Antrag auf Höhergruppierung ist seit einem Jahr unterwegs. (unter anderem auch Hausmeister mit BMZ -> EG7)


    Wobei ich während des Antragstellens auch eine Ausschreibung gesehen hatte, wo die Stelle mit EG8 vergütet werden sollte.


    NV-Bühne ist in meinen Augen einfach mal ne Frechheit.


    Ich bin im übrigen auch Mitglied der Komba und Betriebsratsvorsitzender bei uns...


    Matthias

  • Hi,


    wir Techniker und Meister haben rein goarnüschd mit den künstlerisch tätigen Kollegen zu tun! Wir stehen vor und hinter der Bühne, die Kollegen darauf.


    Ein Künstler/ Freigeist hat grundlegend andere Züge in der Erfüllung seines Schaffens, auch als "Auftrags-Künstler" für ein Theater. Auch wenn wir Techniker/ Meister kreativ arbeiten hat das noch nichts mit kunstschaffenden Menschen zu tun (auch wenn es manchmal "Kunst" ist, große Gewerke zum laufen zu bringen). :-)


    Ich kenne nur einen Techniker, der das hinbekommen hat. Dodokay, der war VT'ler und tritt jetzt mit eigenem Bühnenprogramm auf. Da sieht die Betrachtung auf den Moment bezogen anders aus, aber sonst ist das recht eindeutig getrennt!

  • Das sagst du jetzt so...

    Die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst sehen das anders. Denen sitzt der Kämmerer im Nacken der zumeist auf gar keinen Fall neue Planstellen genehmigen kann. Kommunen sind nämlich gesetzlich nicht verpflichtet Theater oder Veranstaltungshallen zu unterhalten; wenn mal wieder die Haushaltssperre kommt wird dort als allererstes gespart. Planstellen nach TvöD wiederum geniessen de facto beamtenähnlichen Kündigungsschutz da eine Gemeinde ihre Angestellten nur in ganz seltenen Ausnahmefällen betriebsbedingt kündigen kann.

    Dass der "Ausweg" über den NV Bühne einen Missbrauch zu Lasten des AN darstellt der gerichtlich unterbunden werden sollte sehe ich allerdings auch so. Dann lieber die immer häufigere Konstruktion mit einer Theaterbetriebs-GmbH im Eigentum der Gemeinde die nicht an den TvöD gebunden ist.

    Economics in eight words: "There ain't no such thing as free lunch."

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  • Wobei ich während des Antragstellens auch eine Ausschreibung gesehen hatte, wo die Stelle mit EG8 vergütet werden sollte.

    jepp, das kenn ich auch so... und ich bin für die hallen jeden cent wert!

    und zwar weil ich da schon sehr viel umgekrempelt und deutlich verbessert habe. hat an der stelle aber wenig mit kunst zu tun, da geht es eher um die verbesserung der raumakustik und die verbesserung der lautsprechersysteme (z.b. einbau von DSP systemen, andere lautsprecher & anderer aufbau der bestehenden, sowie selbstredend das einmessen der systeme.

    da war vorher schlicht niemand im hause, der für die tontechnik das nötige know how hatte (ausser mir alles Leute aus der Lichtecke).


    ich mache aber noch andere sachen auf die eigene kappe (die nebentätigkeit wird sogar hochoffiziell gebilligt), wo ich durchaus kreative aufgaben am mischpult übernehme. dazu gehört sogar manchmal eine dritte stimme vom FOH aus zu singen.

    und diese jobs zähle ich dann wiederum durchaus als künstlerische tätigkeit. nur auf die rechnung darf ich das wiederum so nicht schreiben, sonst müsste da wieder kohle in die künstlersozialkasse fliessen - aber ich bin ja schon ganz normal versichert.


    im hauptberuf werde ich demnächst sogar wirklich unkündbar, denn ich werde bald auch der "datenschutzbeauftragte" im betrieb sein... die stelle ist ab Mai oder Juni vorgeschrieben. als bekennender "gesichterbuch"- und "was?app"-gegner bin ich da genau an der richtigen stelle ;-)

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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  • wora :

    Hast Du Dich auch mit dem Thema der Haftung für den DSB auseinander gesetzt? Ein Bekannter von mir, der in einem anderen Bundesland im ÖD arbeitet, hat von seinem Landesdatenschutzbeauftragten 50 Seiten Informationen zur DSGVO bekommen mit einem schönen Satz irgendwo mittendrin: "Eine persönliche Haftung für DSB kann künftig nicht ausgeschlossen werden."

  • Hast Du Dich auch mit dem Thema der Haftung für den DSB auseinander gesetzt? Ein Bekannter von mir, der in einem anderen Bundesland im ÖD arbeitet, hat von seinem Landesdatenschutzbeauftragten 50 Seiten Informationen zur DSGVO bekommen mit einem schönen Satz irgendwo mittendrin: "Eine persönliche Haftung für DSB kann künftig nicht ausgeschlossen werden."


    Hi,

    ich hatte gerade letzte Woche eine Schulung zum Thema, was sich vom alten BDSG zur neuen EU-DSGVO und zum neuen BDSG so ändert.

    Haften muss man als DSB *normalerweise* nicht, da die Haftung für Verstöße gegen den Datenschutz beim "Verantwortlichen" liegt - beim internen DSB ist dies der Arbeitgeber.

    Allerdings - und das ist jetzt neu - regelt Artikel 39 der EU-DSGVO , dass dem DSB die Überwachung der Einhaltung der DSGVO und der anderen Datenschutzvorschriften obliegt. Hier kann man sich durch Unterlassung in Deutschland tatsächlich strafbar machen - nach deutschem Recht ist nämlich eine Garantenstellung des DSB anzunehmen.

    Allerdings hat sich hierzu noch keine nationale Rechtssprechung herausgebildet. Es ist derzeit davon auszugehen, dass man durch "tätig werden" seiner Pflicht Genüge tut.

    Sprich: Wenn der Verantwortliche gegen Datenschutzvorschriften verstößt, so wird man dem DSB dann an die Karre fahren, wenn er in seiner Funktion überhaupt nichts bzw. zu wenig gemacht hat. (Also nicht den Chef informiert, sondern nur den nächsten Vorgesetzten, und dann nicht weiter eskaliert.)


    Ich würde mir allerdings auch genau überlegen, ob ich als DSB für meinen AG tätig sein wollte. Wenn der die Stelle nämlich nur schafft, damit ein DSB "da ist", aber diesem dann keine Zeit einräumt, seinem Amt nachzugehen, dann wär mir das persönlich auch zu heiß. Das kann nämlich durchaus auch in Richtung Freiheitsstrafe gehen.


    wora : Wohin gehts denn zum Kurs?

  • wann und wohin erfahre ich wahrscheinlich in der kommenden woche.


    wenn ich für diese zusatzaufgabe mehr zeit benötige als ich habe, werde ich das entsprechend kommunizieren. dann müsste ich wohl andere aufgaben abgeben. wir werden sehen. ich gehöre jedenfalls nicht zum typ "duckmäuser", der nicht wagt für seine rechte zu streiten. deshalb war ich ja lange jahre selbständig, weil ich doch oft mit meinen chefs zusammengerasselt bin. ich bin aber auch etwas ruhiger und umgänglicher geworden ;-)


    PS

    das hat jetzt aber echt gar nicht mehr viel mit der ausgangsfrage zu tun... obwohl ich es natürlich interessant finde :-)

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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