Schon lange wollte ich eine Box mit dem Eminence Kappa10 bauen, nachdem ich das Chassis schon mehrfach in 4x10"-Bassgittarenboxen verbaut habe und daher um die beachtliche Haltbarkeit (auch bei Extremanwendungen) wusste.
Gewichtiges Kopfnicken der Technikerkollegen ist quasi vorprogrammiert, wenn man ihnen einen Kappa10 in die Hand drückt - der große Ferritmagnet sorgt nicht nur für die entsprechende Optik, sondern auch ein beachtliches Gewicht. Wenn man aber mal ehrlich ist, macht sich in der Praxis eine Box, die 4-5kg weniger wiegt, deutlich besser.
Daher habe ich mir noch einen Eminence Deltalite 2510 schicken lassen, um vergleichsweise auch damit zu entwickeln.
Für die Hochtonabteilung habe ich, sowohl von den Abmessungen als auch vom Abstrahlverhalten im anvisierten Übernahmebereich passend, das 18sound XT1086 vorgesehen. Als Treiber ist der RCF N350 bzw. der ND350 vorgesehen - letzterer aber nur interessehalber, da ich den Treiber vorab schon gemessen habe und wenig begeistert war.
Die Bestückungsvarianten im Direktvergleich (links komplett Neodym-, rechts Ferritchassis):
Die Gehäuse hierfür entstanden an einem Sonntag nachmittag bei allerbestem Wetter. Da macht das basteln gleich doppelt so viel Spaß. Eine deutliche Spaß-Steigerung erlebt man bei Gehäusen, welche mit Flachdübeln verbunden werden, so wie im folgenden Beispiel:
- Einzelteile am Boden sowie testweise zusammengestecktes Gehäuse
- Verklebung mit D3 Weißleim - durch die eingesteckten Flachdübel verrutschen die Gehäuseteile auch dann nicht, wenn man die Spanngurte zur "Gitarrensaite" (sprich: sehr straff) spannt. Die Schraubzwingen erledigen den Rest.
- fertig gewässertes und geschliffenes Gehäuse
Messungen und Frequenzweiche
Nach einigem Testhören und Vergleichshören gegen andere, technisch ähnliche Boxen mache ich jetzt den Deckel drauf und sage: "Fertig!".
Die Weiche kommt, bis auf einen Saugkreis für den Tieftöner, mit einfachen Standardfiltern aus. Zur Phasenanpassung wird der Hochtöner gegenüber dem Tieftöner verpolt angeschlossen (siehe Sprungantwort). Die Trennfrequenz liegt bei ca. 1,4kHz, was einen Kompromiss aus Unterdrückung der Membranresonanzen des Kappa10 bzw. der Gleichmäßigkeit der horizontalen Abstrahlung darstellt.
Gemessen habe ich in 4m Entfernung im Freifeld. Ergänzt werden die Messungen ggf. durch pegelmäßig gewichtete Nahfeldmessungen an Membran und BR-Port.
Als Messmikrofon kam die Microtech Gefell MK201, kalibriert mit einem Klasse-2-Kalibrator von B&K, zum Einsatz.
Auf der Softwareseite natürlich ARTA in der aktuellen Version 1.6.1..
- F-Gang und Phase gesamt; Wege zueinander; Vergleich F-Gang mit und ohne Tieftonsaugkreis; Sprungantwort
Wie man in der vergleichenden Darstellung zur Wirkung des Saugkreises schon sieht, wird der letzte Rest der Membranresonanz des Kappa10 deutlich abgesenkt.
Auch im Zerfallsspektrum mit -30dB-Darstellung lassen sich keinerlei Reste davon mehr erkennen. Lediglich im Bereich >10kHz schlagen dann die unvermeidlichen Membranresonanzen des Hochtöneres bzw. Luftnichtlinearitäten zu. Die elektrische Impedanz zeigt eine einwandfreie 8-Ohm-Box, dessen Impedanzminimum bei 6,5Ohm liegt (nach DIN wäre das Kriterium, dass der Nennwert um nicht mehr als 20% unterschritten wird - im Fall einer 8-Ohm-Angabe also 6,4Ohm).
- Periodenskaliertes Zerfallspektrum; elektrische Impedanz und Phase (Min = 6,5Ohm @ 189Hz); nichtlineare Verzerrungen bei ca. 95dB (SPL), entspricht 1w/1m
Die Abstrahlungsmessungen muss ich wohl nicht kommentieren... in der horizontalen Ebene wird der gewünschte Winkel von 80° ab ca. 2kHz und dann sehr gleichmäßig eingehalten. Bei 1kHz liegt der Wert bei etwa 100°. Die Aufweitung bei ca. 600Hz ist der suboptimalen Aufstellung knapp über einer Grenzfläche anzukreiden - sprich ein Mess- bzw. Darstellungsfehler. In der vertikalen Ebene liegen etwa 60° an (schwieriger abzulesen - unten 35°, oben etwa 25° - nicht symmetrisch, da um die Schallwandmitte und nicht um das Horn selbst rotiert wurde). Bei der Trennfrequenz ergibt sich ein sehr kleiner, schmalbandiger Interferenzbereich.
- Abstrahlung horizontal und vertikal
Zu guter Letzt noch die F-Gänge bei der Box in der Monitoraufstellung. Gemessen wurde in ca. 1,5m Entfernung mit dem Mic auf Ohrhöhe.
Das typische "Monitorloch" (entsteht durch eine destruktive Interferenz mit dem vom Boden reflektierten Schall und ändert sich in der Frequenz je nach Abstand zum Boden) liegt bei der 50°-Position bei etwa 480Hz. In der Aufstellung mit dem 70°-Winkel ist es, in etwas abgeschwächter Form, bei ca. 505Hz abzulesen.
Beiden Aufstellungsvarianten gemein ist, dass durch die Ankopplung an den Boden die Basswiedergabe deutlich verbessert wird, so dass im Schnitt ein linearer Frequenzgang bis etwa 70Hz abzulesen ist. Für Monitoranwendungen aus einer derart kompakten Box ist das mehr als ausreichend.
- Monitorposition 50°; Monitorposition 70°
Abschließend noch die Frage nach dem "Klang"...
Wer mich etwas länger kennt, der wird wissen dass ich so meine Probleme der hemmunglosen Nennung irgendwelche Vokabeln zur Beschreibung des Gehörten habe und mich tendenziell vorsichtig ausdrücke, was einfach damit zu tun hat, dass derartige Eindrücke im allerhöchsten Maße subjektiv und nicht übertragbar sind.
Daher sage ich zu diesem Thema nur:
Ich finde die Box nach einigem Testhören recht gelungen. Stundenlanges Musikhören ist problemlos möglich, ohne dass die Box nervig wird oder sich irgendwie mit einem besonderen "Charakter" in den Vordergrund drängt. Man könnte sie als "langweilig" bezeichnen - das trifft´s wohl am besten. Die Stimmwiedergabe ist, nach einigem Filtern und Rumprobieren, so neutral, wie es mit einer derartigen Lautsprecherkombination und passiver Frequenzweiche wohl geht - was aber nicht heißen soll, dass man starke Kompromisse hätte eingehen müssen. Das Gegenteil ist der Fall - der Kappa10pro ist ein sehr gutes Chassis für diese Anwendung.
Ich frage mich, warum das Chassis bisher (jedenfalls meiner Kenntnis nach) noch nie jemand angefasst und für die Mitteltonanwendung verwendet hat.
Viele Grüße,
Fabian