Casebau ohne Multiplex

  • Moin zusammen,


    hat jemand Praxis-Erfahrungen mit Cases, die nicht aus Multiplex mit Beschichtung und Gegenzugfolie sind - konkreter also in Richtung PP-Wabenplatten / AiR? Taugt das wirklich und wo sind die Grenzen im Vergleich? An sich mag ich Holz weitaus lieber (eben auch weil bekannt ;-), aber ein paar Kilo weniger bzw. manchmal ein leichter Preisvorteil sind zumindest eine Überlegung wert...


    Vielen Dank!

    Christian

  • Ja. Amptown Alphapack Case hat hier diese Sandwichwaben , die auch bei Adam Hall zu kaufen sind. Sog. Hohlkammerplatten PP


    https://www.adamhall.com/shop/…detail/index/sArticle/262


    Hier mal ein Case von mir für Technics 1210 etc. Foto muß ich mal raussuchen.


    Multiplex ist wohl auch stabiler

  • Die Kunststoffwabenplatten sind eher für kleinere Cases geeignet. Die Steifigkeit ist oftmals geringer und bei hohen Temperaturen und Belastung kann sich das Material dauerhaft verformen (schwarzes Case im Hochsommer bei direkter Sonneneinstrahlung).

    Um das Gewicht eines Cases zu reduzieren, gibt es auch noch andere Möglichkeiten. Dünneres Holz mit Verstärkungen, weniger und kleinere Beschläge, reduzierter Innenausbau. Durch das Weglassen eines Doghouse kann man bestimmt schon ein bis zwei Kilo einsparen.

  • Im Übrigen wird für Casebau kein Multiplex verwendet, sondern Siebdruckplatte. Die hat weniger Schichten als Multiplex, dafür wetterfester durch die Beschichtung.

    Das gibt's sowohl als auch also Siebdruckplatte mit der rotbraunen Phenloharzbeschichtung aber bei z.B. Amptown auch Birke Multiplex mit Folienbeschichtung.

    Das Alphapack Nachfolgeprodukt aus Polyprophylen-Wabenplatten bei Amptown heißt übrigens 'AiR'.

  • Naja, das ein anständiges Case nicht aus nackter Holzplatte ala Multiplex und nicht aus Baumarktselbstbau ala Siebdruck besteht, sondern auf das Holz eine tourtaugliche Beschichtung aufgebracht ist, hab ich mal als griffigen Vergleich vorausgesetzt ;)


    Es hat ja einen Grund, dass eben jene Bauweise seit Jahrzehnten zu Tausenden gebaut wird... Als Transflex/Varioflex/o.ä. ist mir so eine Kunststoffausführung ja auch noch nicht untergekommen. Aber vielleicht hat das ja jemand ausprobiert und war doch positiv überrascht...:S

  • Es ist sehr wohl Multiplex, welche auf dem Breitbandschleifer kalibriert und dann beidseitig mit PVC beschichtet wird ...

    Ich habe mir erst gestern eine 10mm Con-Peral Platte bestellt. Das Zeug ist vergleichbar mit 8,5-9mm Multiplex und kann für so ziemlich alles eingesetzt werden, selbst ohne Alu ist das Zeug steif genug um auf 80cm x 120cm als Zwischenboden ohne Verstrebungen eine Flächenlast von über 100kg zu tragen. 2,6kg / m² ist halt schon ne Ansage.

    Nicht jede Platte ist aber gleich der anderen Platte. Das Amptown Zeug ist wieder was anderes als die Con-Pearl Platte.

    Das Adam Hall FlightCurv für teuer Geld ist deutlich massiver (und gleich dem Amptown Produkt) als die Adam Hall SolidLite (Con-Pearl) Platte.

    Die FlightCurv Oberfläche besteht aus einem PP Gewebe, aus welchem auch die Samsonite Hartschalenkoffer gezogen werden.

    Die Con-Pearl hat eine "Folienoberfläche".


    Auch sollte man die Kisten mit Casemaker Profil statt Kantenschutz bauen, da die Platten nicht geschossen werden können.

    Wenn man die Kiste aus FlightCurv richtig konstruiert und baut, dann lebt die länger und ist steifer, robuster, unzerstörbarer als eine aus gleichstarkem Multiplex. Beim Ausziehversuch der Griffe hat der Testaufbau vor dem Case versagt.

    Was ist ist, was nicht ist ist möglich

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  • zur ausgangsfrage kann ich ein bisschen erfahrung beisteuern.

    anfang 2009 habe ich mich für meine damalige iLive für ein case aus kunststoffplatten entschieden.

    der hauptgrund dafür dürfte jedem logisch erscheinen: natürlich wegen des gewichtes, weil man das pult ja auch immer im case auf einen tisch wuchten muss.

    (klar, früher haben wir deutlich schwerere pulte auf tische gewuchtet, zum teil auch mit 6 mann. aber die zeit geht weiter - und der rücken wird ja auch nicht mehr besser.)


    dieses case hatte ich 6 jahre und war mit meiner entscheidung vollauf zufrieden. so zufrieden, dass ich mir beim nachfolgepult wieder so eine kunsstofflösung gekauft habe.

    beim aktuellen pult bin ich aber wieder auf holz zurück gegeangen, weil ich das nicht mehr auf tische wuchten muss, denn es hat einen cleveren klappmechanismus ;-) und da muss es dann wirklich kein kunststoff sein.


    mein fazit dazu:

    die lösung mit kunsstoffplatten ist eindeutig gewichtsparender, und auch in punkto zuverlässigkeit konnte ich nicht meckern. das ding hatte am ende zwar ein paar gebrauchsspuren, aber die hätte ein holz-case ja definitiv auch gehabt.

    es gibt aber auch eine einschränkung beim kunsstoff: er ist definitiv nicht so stabil wie die holzplatten. cases, die viel aushalten müssen (z.b. kabel- und stativkisten) würde ich nicht aus kunsstoff bauen lassen.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

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  • Größere Casebauer bzw. die; welche eine Presse haben, beschichten ihre rohen Sperrholzplatten selbst mit der gewünschten Farbfolie.

    Nur phenol braun kommt direkt so von der Industrie.


    Cases mit Kunststoffplatten, welche genauso stabil und wirklich hart roadtauglich sein sollen, wären auch nicht leichter.

  • Ich weiss jetzt nicht, ob es nur um Mischpulte geht. Ich habe beim grossen T ein paar kleine Cases aus diesem Kunststoff mit "Waben" gekauft (es sind, so wie es aussieht, eher Längsstreben als Waben). Darin habe ich einzelne Empfänger für Funkstrecken. Für den Zweck ist es ideal. Wenig Gewicht, günstiger Preis und von der Qualität her reicht es tiptop.


    Aber wenn das Material transportiert wird, achte ich darauf, dass diese Kunststoffcases immer ganz oben sind. Das ist logischerweise auch wegen der kleinen Grösse so, aber ich glaube auch, dass diese Cases nicht extrem belastbar sind. Ich würde weder viel Gewicht in diese Cases packen, noch würde ich sie für den harten R'n'R Betrieb einsetzen. Von der Optik her sieht man nur auf den zweiten Blick, dass es nicht aus Holz ist.


    Dann habe ich auch so ein Case in der Art wie diese "Gator" -Cases. Das ist ja wieder eine andere Philosophie. Sieht halt einfach hässlich aus, aber ist leicht und relativ robust. Aber auch so einem Case würde ich nicht gleichviel zutrauen, wie einem guten Holzcase.

  • Größere Casebauer bzw. die; welche eine Presse haben, beschichten ihre rohen Sperrholzplatten selbst mit der gewünschten Farbfolie.

    Du kannst dir bei Solidplex auch deine eigene Pantone Farbe anfertigen lassen, musst davon lediglich mindestens eine 700m x 1,25m (meine ich) Bahn abnehmen und die beschichten dir deine Platten dann auf Abruf ;-)

    Was ist ist, was nicht ist ist möglich

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  • Willkommen im 21. Jh. du liegst mit deiner Aussage meilenweit falsch.

    Vorweg: Laut der Hompage ist die Con-Pearl-Platte bei 9,9 mm Dicke mit 3 kg/m² angegeben. ;)


    Bei einem Case ist ja nicht nur die Flächentraglast oder Biegesteifigkeit entscheidend, sondern auch einige andere Materialeigenschaften. Durch die Sandwich-Wabenkonstruktion erhält man zwar eine recht steife und leichte Platte, es ergeben sich aber auch Nachteile. Durch die geringe Schichtdicke der Oberflächen, ist die Schlag- und Kerbfestigkeit geringer, auch die Schnittfestigkeit leidet. PP hat ein ca. 10x kleineres E-Modul als Holz und lässt sich - insbesondere bei erhöhter Temperatur - recht schnell plastisch verformen. Außerdem kriechen Kunststoffe im Vergleich zu Holz. Die Glasübergangstemperatur von PP liegt überlichweise knapp unter 0°C, dann wird der Kunststoff spröde. Ein weiteres Problem kann bei der Sandwich-Bauweise Delamination sein, also dass sich die Schichten trennen. Entweder durch das Alter oder auch mechanische Einwirkungen wie Vibration oder Druck.


    Inbesondere bei Kunststoffen lassen sich natürlich die Materialparamter fast beliebig auf den Anwendungsfall zuschneiden und dadurch existieren bei genau diesem Material vielleicht einige der oben genannten Punkte gar nicht oder nur sehr eingeschränkt. Man kann auch durch die Verwendung eines Verbundwerkstoffes mit verschiedenen Materialien noch eine deutlich bessere Sandwich-Wabenplatte konstruieren - aber das ist ja bei Con-Pearl nicht der Fall.


    Was ich damit sagen will:

    Holz (MPX) ist die Temperatur egal, es verformt sich kaum, es lässt sich einfach verarbeiten und es ist günstig. Auch bei MPX gibt es deutliche Qualitätsunterschiede, die sich auf die Festigkeit auswirken. Wenn man eine Transflex findet, bei der beim Bremsen die Rollen des Vordermanns durch den Deckel gekommen sind, ist das ein starkes Indiz, das beim Holz gespart wurde. Trotzdem würde ich MPX als Material zum Casebau nicht abschreiben. Man kann auch damit leichte Cases bauen.


    Was auch zu einem leichten Case gehört: Größe. Umso kleiner das ausfällt, umso leichter ist es auch.

  • Die Con-Pearl Platte wird im Innenausbau von Transportern genutzt, unter anderem als BODEN.


    ...


    Wenn die kein Case kann, dann weiß ich auch nicht. Ich habe damit keine Probleme. Weder als Anhängerboden, Case, Aufbauten auf dem Lastenrad, ... einzig am Lastenrad kommt das UV Licht nach zwei Jahren langsam zum tragen.

    Und wenn dir die Con-Pearl nicht passt, dann nehm die 300€ Platte ... die ist durch Amptown aufs letzte malträtiert worden. Du bekommst als Mensch und auch als Maschine eine mit 150kg beladene Transflex nicht kaputt. Griffe kannste mit 1500dN nicht ausreißen.

    PP ist wie PVC eben nicht PP oder PVC ... Additive und Verfahren etc. sind das Stichwort. Kleben kannste PP ohnehin nicht ;-) Das Zeug ist verschweißt, da delaminiert nichts.

    Im Gegensatz zu Phenol (ganz mieß) oder Multiplex ist PP flexibel und nimmt Belastungen, Stöße oder Schläge ganz anders auf. Wie viele geborstene, ausgerissene Phenolkisten ich schon repariert habe ...

    Möchte da nur mal an das Mac 2000 Case denken, das beim Sturz von der Bühnenkante mit samt dem Mac in Einzelteilen auf dem Platz lag ...

    Was ist ist, was nicht ist ist möglich

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  • Bei Kunststoffen muss man auch im Hinterkopf behalten, dass die nicht altern wie Holz...


    Wäre sicher spannend zu sehen, ob das Case aus dem Video nach einem Sommer im Sonnenlicht noch genauso unbeschadet alle Tests überleben würde.

  • Bei Kunststoffen muss man auch im Hinterkopf behalten, dass die nicht altern wie Holz...

    also ich habe noch cases aus holz in gebrauch, die in den 80ern gebaut wurden... sehen zwar nicht aus wie neu (das wird bei über 30 jahre alten cases aus kunststoff auch so sein), aber das holz hält einwandfrei auch über mehrere jahrzehnte.


    für holz spricht auch, dass seine herstellung unsere umwelt nicht so belastet.

    vor allem nicht bei der "entsorgung" (verniedlichendes wort für abfall)

  • Hmmm... ich bau meine Schachteln seit 30 Jahren selbst (und ich weiß, dass das nicht wirtschaftlich ist... Wer keine Probleme hat, der macht sich halt welche...)


    Kabel, Stahl und undefiniertes Gelöt seit jeher in Siebdruck, die raue Seite nach Außen, ohne Casemaker, dafür seit jeher mit einer 18 Mmm Bodenplatte. Das gibt Stabilität und spart das Rumgefrickel mit den Rollbrettern. 30er Profil und dicke Kugelecken - fertig. Lebenserwartung: 15 Jahre plus, die Optik ist immer noch ok. Der Preis ist unschlagbar, inzwischen legt mir mein Holzdealer immer ein paar Platten besonders schwarz gelieferte Platten beiseite.


    Elektronik und dergleichen immer schon in 9,5 mm schwarz, zart genoppt und mit Gegenzugfolie. Ja, das ist schwerer als dieser Kunststoff, aber immer noch langlebiger und rentabler als die Wabenplatten. Hab ich mal ausprobiert, verarbeitet sich unschön und ich finde das unpraktisch. Alleine wenn ich da schon auf Casemaker festgelegt bin, stört mich das schon.

    Kunststoff hat abgesehen davon das Problem mit den Weichmachern. Je nach Saison und Einsatz ist das Zeug schneller oder weniger schnell ausgedünstet, danach wird das Material spröde. Das will keiner.

    Ich hab mal eine Ladung Kisten aus dem Wabenmaterial gebaut - bei Trunks ist es beim Versuch geblieben, kleine Racks waren ok, aber irgendwie immer mit dem komischen Gefühl versehen, dass die irgendwie lappig sind. Und wenn ich dann schon beim Laden schauen muss, was oben und was unten ist... Danke, nein. Mit zunehmendem Alter haben die auch stumpfen Schlägen nix mehr entgegenzusetzen - nach dem Aufprall regnets ins entstandene Loch.


    Erfahrung aus dem Selbstversuch - was nicht mit Aufklebern zugepflastert ist, sieht nach einer Saison, spätestens nach zwei Saisons, echt ranzig aus. Was so zugepflaster ist, sowieso. Aber das ist eine andere Geschichte. Der Kunststoff verkratzt, bleicht aus, das Case verliert Integrität.


    Ich hab dann wieder Holz bestellt.


    Der Fairness wegen: das ist der Stand von vor ungefähr 5 Jahren - wer weiß, was die chemische Industrie seither segensreiches entwickelt hat.