Kein Aberglaube.
Mein Bekannter in der Getriebeentwicklung hat das ziemlich genau so gesagt. Früher wurde so robust wie möglich gebaut, mit den Mitteln die zur Verfügung standen. Natürlich ging das zu Lasten des Komforts den wir heute alle schätzen. Wo du natürlich Recht hast ist die gesteigerte Anforderung an ein Getriebe durch die erhöhte Leistung der Motoren. Wenn ich mir z.b. die Lanz Traktoren ansehe die bei uns gerne mal am Haus vorbei hoppeln, die laufen nach 80 Jahren immernoch mit Originalteilen, 1 Zylinder mit 10l Hubraum und sowas
Edit: Ich habe nichts von verschleißfrei geschrieben, sondern von haltbarer als heute. Das ist ein großer Unterschied!
Anderes Beispiel aus der Praxis: Mein Vater hatte damals einen MAN F2000 19.403. Direkt am Anfang gabs Probleme mit der Kupplung, die wurde dann getauscht bei 20tkm oder um den Dreh. Von da an lief die Kiste einfach bis an die 900tkm ohne irgendwelche größeren Mucken am Antriebsstrang. Und die Karre hatte auch 435PS laut Leistungsstand (ab Werk). Vor etwa 8 Jahren oder so hat er einen neuen TGX bekommen, 460PS. Als die Kiste nach 1,5 Jahren auf die 200tkm zu ging und er bei der Inspektion bei MAN war hat ihm der Meister schon ein "bis bald" hinterher gerufen. Bei etwa 250tkm wäre es normal das das Getriebe aussteigt. In der Werkstatt gibt es eine komplette Bahn / Tor wo tagtäglich nichts Anderes gemacht wird. War dann erst bei 270tkm aber trotzdem ein Trauerspiel für einen 40t. Früher haben die Kisten eine Million gemacht bevor man mal den Motor generalüberholt hat, vielleicht auch 1,5 Millionen. Heute ist daran eher nicht zu denken.
Klar könnte man heute wenn man wollte mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wahrscheinlich deutlich bessere und haltbarere Dinge konstruieren. Es macht aber fast keiner aus Kostengründen. Oder sowas findet man dann in der teuren Kleinproduktion, abseits der großen Serie. Und das Problem ist ja noch, dass z.b. Mercedes sich ja ein dickes Premium auf die Fahne schreibt, letztens aber genau den gleichen Billigschrott verbaut wie deutlich günstigere Hersteller. Das wenigste am Auto ist noch direkt von MB. Wenn du mal in so einen Auszug der Steuergeräte guckst steht da nur Bosch, Continental und was weiss ich. Die Kunst ein Auto zu bauen scheint mir heute eher die ganze Elektronik softwaremäßig unter einen Hut und zum Laufen zu bekommen. Und ich bin gerne bereit mehr Geld für Qualität aus zu geben, bekomme dann aber trotzdem nicht die Qualität die ich gerne hätte.
Die Realität und die "gefühlte Realität" sind manchmal zwei Paar Schuhe. Einerseits steigt das Durchschnittsalter der deutschen Fahrzeugflotte an (womit die Lebensdauer von KFZ wohl doch nicht so schlecht ist), andererseits sind die Verschleißbedingten Reparaturausgaben seit Jahren auf einem ähnlichen Niveau (bei steigenden Kosten!).
Das hatte auch ein großer Auto-Konzernchef letztens gesagt: die Autos werden zuverlässiger, der prozentuale Anteil an Softwarefehlern und elektronischen Defekten steigt und die wahrgenommene Zuverlässigkeit seitens der Kunden sinkt - trotz gegenteiligen Zahlen.
Zu einem ähnlichen Urteil kommt übrigens auch der ADAC - wobei der natürlich nur die Pannenstatistik der eigenen Flotte auswerten kann und die "Premiumhersteller" ja gerne mit eigenen Flotten dazwischen grätschen.
Aber das ist ein sehr müßiges Thema, wenn immer wieder ein Bekannter alternative, noch bessere Informationen hat... 