Das Thema "Wir brauchen Bass!"

  • Es handelt sich dabei ja beileibe um kein neues Phänomen, aber mir ist es immer noch völlig unverständlich, wie fast alle Fragestellungen bezüglich Boxen/Lautsprecher/Gehäusen sich nur mit der Wiedergabe der untersten Oktave beschäftigen und die "restlichen" 90% des Frequenzspektrums anscheinend völlig nebensächlich oder irrelevant sind.


    Da wird sich ein Kopf gemacht, mit welchen vier Mega 18"ern man sein 500.-€ Topteil am besten ergänzt und welcher Überamp der Kilowattklasse der geeignetste Antrieb hierfür ist.

    Was dann da an Beschallungsmöbelkombinationen dabei herauskommt, erlaubt weder eine verständliche, kräftige Wiedergabe von Stimmen, noch von Instrumenten, die sich ja bevorzugt in den 90% des Frequenzspektrums aufhalten, wo hier nur ein Billigtopteil am Start ist und im Verhältnis zu den Basslautsprechern kein Land mehr sieht. Ein Saxophon klingt dann über so eine Anlage wie ein Nebelhorn der Autofähre und ein eigentlich kerniger Rimshot löst beim Zuhöhrer bestenfalls Lachkrämpfe aus.


    Was läuft hier eigentlich schief?


    Liegt es möglicherweise daran, dass sich kaum jemand mehr ernsthaft mit Musik beschäftigt, oder gar selbst ein Instrument spielt?


    Es wäre doch wesentlich sinnvoller, sich zuerst mal ausführlich Gedanken über kräftige, verfärbungsarme Topteile mit kontrolliertem Abstrahlverhalten und somit vernünftiger Arraybarkeit zu machen, und dann im zweiten Schritt sich um das Thema Bass zu kümmern, das zumindest im hier meist diskutierten Maßstab wesentlich weniger komplex ist, als viele vielleicht annehmen möchten.


    In der weit überwiegenden Mehrheit der Fälle ist der praktikabelste, kosteneffizienteste und am universellsten einsetzbare Bass eh eine ganz "normale" 18" Bassreflexkiste (mit ordentlicher Bestückung), die dann je nach Größe der Veranstaltung halt mengenmäßig aufgestockt wird und mit der sich auch bei entsprechender Anzahl relativ einfach alle denkbaren, richtenden Bassarrays darstellen lassen.


    Vielleicht liest's ja jemand und wenn nicht, dann hören wir im "Hobbybereich" halt weiterhin nur "Bass!"... ;)

    Viele Grüße,
    Fux

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  • Die simple Erklärung ist vielleicht gar nicht so weit weg:

    - Die Gesamtbilliganlage klingt halt irgendwie nach potent, auch wenn sie nur so viel kostet wie die Systemkabel der guten. Da klingt 18" besser als 15", 4x besser als 2x, 12000W(Peak) besser als 9000(RMS). Und wir wissen ja, der Phantomfader wirkt auch als einziger zuverlässig.

    - ob's drückt spürt jeder, auch bei zig Promille. Ob der Klang linear, aufgeräumt, differenziert ist - das hört ja nicht mal jeder Profi oder der dafur beauftragte Systemer

    - Leistung (reingesteckt) zählt mehr als (Leistung rausbekommen). Da kann so mancher 5-10"Kübel mit einem Bruchteil der Energie auskommen und liefert einen besseren Sound, während der 15"Mufu-Plastikwürfel dagegen untergeht. Wobei das nicht am Gehäusematerial liegt.

    - Gibt es einen Unterschied zwischen denen die Musik machen und denen die Ton machen bzw. denen die Lieder "mischen" oder denen die Ton mischen. Und ob man mehr mit der Zeltdisko oder dem Klassikorchester zu tun hat.


    Kurzum worüber kann man sich am einfachszen profilieren?

    Und da die meisten auch mit Papas Taschengeld Berufssöhne in ihrer Filterblase vermutlich anderen Marken zum Angeben hinterherrennen, um die Pseudokumpelfete zu beschallen und vermutlich nicht einmal die Marken der handvoll Firmen kennen mit deren Holz fast die gesamte Welt Großkonzerte beschallt... und selbst nützt das ja nix, denn die kennen höchsten D&G statt D&B...

  • Sehe das wie Christian S..


    Schrill und laut geht auch ein Ghettoblaster. Aber fürs Hosenflattern braucht es halt mehr Material. Da kann man sich vom HIFI Kram am deutlichsten abheben. Das Flattern ist spürbar, die Tonqualität subjektiv.

    Der Ton macht die Musik.

  • Die simple Erklärung ist vielleicht gar nicht so weit weg:

    - Die Gesamtbilliganlage klingt halt irgendwie nach potent, auch wenn sie nur so viel kostet wie die Systemkabel der guten. Da klingt 18" besser als 15", 4x besser als 2x, 12000W(Peak) besser als 9000(RMS). Und wir wissen ja, der Phantomfader wirkt auch als einziger zuverlässig.

    - ob's drückt spürt jeder, auch bei zig Promille. Ob der Klang linear, aufgeräumt, differenziert ist - das hört ja nicht mal jeder Profi oder der dafur beauftragte Systemer

    - Leistung (reingesteckt) zählt mehr als (Leistung rausbekommen). Da kann so mancher 5-10"Kübel mit einem Bruchteil der Energie auskommen und liefert einen besseren Sound, während der 15"Mufu-Plastikwürfel dagegen untergeht. Wobei das nicht am Gehäusematerial liegt.

    Das wird es wohl mit am besten treffen, wir sind doch auf Zahlen fixiert, mehr ist immer besser als weniger, und billiger immer geiler als teurer. Und wenn dann noch fett die Aufkleber auf den Boxen kleben mit 1000 WATT Leistung...

    Und eigentlich jeder viele Hersteller, auch die namhaften

    mit deren Holz fast die gesamte Welt Großkonzerte beschallt...

    bedienen ja dieses Segment.

    Und auf dem Partyniveau das da meistens angesprochen wird zählt halt einfach soundsoviel Watt viel mehr als irgendwelches geseire von Frequenzgängen. Ist einfach so, Strich drunter und fertig.


    Und trotzdem hat es seine Daseinsberechtigung, der eine oder andere wird vielleicht dann doch mal professionell arbeiten in dem Bereich (Nachwuchs).

    Wenn ich mal auf Schulfesten rumturne gibt es bei den Jungs (Ich habe noch kein Mädchen getroffen was sich dafür interessiert hätte, leider) genau 3 Gruppen:

    1. Gruppe interessiert sich überhaupt nicht

    2. Gruppe glotzt mit "Kennerblick" blöd rum und sagt zu seinen Kumpels das sein Bruder / Cousin / ... viel größere und bessere Boxen hat und nervt mit blöden Sprüchen

    3. Gruppe, verschwindend gering, die sich dann doch wirklich interessieren wie das so alles funktioniert und für die es super ist danach beim Abbauen zu helfen.


    Was hier im Forum aufschlägt wird sich wohl in einem ähnlichen Verhältnis zwischen Gruppe 2 und 3 aufteilen.

    Rock'n Roll*finger

    Peter

  • Ne, ist schon klar. Millionen Fliegen können nicht irren, Schei... ist lecker! ;)


    Den Standpunkt "Ist mir doch Wurscht wenn unerfahrene Leute ihr sauer verdientes Geld für Bockmist ausgeben" kann man natürlich auch vertreten.

    Ich gestehe mir aber auch zu, das etwas anders zu sehen.


    In diesem Sinne! :)

    Viele Grüße,
    Fux

    Einmal editiert, zuletzt von Fux ()

  • Ich hatte mal eine Band auf der Bühne, Old school blues mit Harp, Sousaphone und so. Der Bandleader kam zu mir und sagte: "You have nice subs. Can you switch them off, please? You won't need them." Ich war erst skeptisch, hab mich aber darauf eingelassen. Schließlich spielte der Mono-Hang Main PA bis 80Hz runter. Und es war eine Ohren-öffnende Erfahrung.

  • Moin in die Runde,


    da hat sich der Fux doch eigentlich die Antwort auf seine Frage gleich mitgeliefert, oder?


    Der Selbstbau eines halbwegs anspruchsvollen "Topteiles" (damit ist vermutlich der Bereich so oberhalb 80-100Hz gemeint) ist wesentlich aufwendiger und anspruchsvoller als ein paar möglichst große Schachteln mit viel Bumms zu bauen. Und im Selbstbau, ich würde wagen zu behaupten, sogar teuerer bis ein entsprechendes Ergebnis zum fertig designten Produkt vorliegt. Basskisten sind per Simulation halbwegs im (Pegelverlauf) berechenbar und auf Standfestigkeit trimmbar.


    "Tops", allein schon mit dem Thema Abstrahlcharakteristik ist der Anfänger überfordert. Da gibts ja nicht die richtige, sondern die für den jeweiligen Anwendungszweck passende (z.B. auch gewünschte einschnürende Höhen). Damit soll sich ein Anfänger auseinandersetzen und darüber nicht den Spass verlieren? Ne ne, ein halbwegs sicheres Erfolgserlebnis ist über ordentlich Bumms erreichbar, das bekommt jeder mit, danach gehts dann vlt in anderen Bereichen weiter.


    Deshalb mache ich einen große Schritt nach hinten und betreibe etwas Nabelschau:


    Was fehlte vor fast eine halben Jahrhundert an Papas Hifboxen gegenüber Konzerten? Unten alles, oben war nicht dolle, Auslegung gern auf hohe Sprachverständlichkeit. In den Hifi-Läden gabs jede Menge aus der Klasse, nur ganz wenige sehr teure (unbezahlbare) Systeme waren halbwegs mit Pegel in den technisch kritischen Bereichen gesegnet.


    Rock/Pop/Disco-Mucke brachte/bringts NUR mit entsprechenden Pegeln.


    Also war im Selbstbau (damals eher kostengünstiger denn Fertigware) das erste Augenmerk auf BASS, dann auf pegelfeste Höhen, damits bei Spasslautstärke möglichst keine Leichen gab (was im ersten Ansatz nicht so sicher war). Seinerzeit beganns grad erst mit brauchbarer Theorie im Basssysstembau. Wirkungsgrad bei den damaligen Watt/DM Endstufenpreisen, bei Taschengeld fürs Hobby, sehr relevant.


    Erst mit längerem Hören auf den eigenen Systemen (meist daheim), da merkte man, hmm, irgendwie dürfts was besser werden. Oft mangelte es zunächst an sehr tiefgehender Wiedergabe bzw. Pegeln dort, also wurden aus 10er oder 12er Pappen (mit eher kleinen Auslenkungen) tiefresonante 18er, damit ging leider die Knackigkeit etwas flöten. Und so langsam merkte man, in den Mitten, da ist Luft nach oben, in der Ankopplung 18er dahin, das geht so ohne weiteren Weg auch eher nicht (richtig).


    Soweit die Rückschau.


    Heute findet sich im bezahlbaren Boxenregal für daheim vergleichsweise potentes Material (gegenüber o.g. Anfängen). Also muss, um da nachzulegen, gleich von Anfang ne große Schippe drauf. Wenn die "fette Anlage" ein klanglich besseres System im Pegel (jeweils ohne allzuviel Klirr) an die Wand spielt, wird jeder die "fette Anlage" loben.


    Boxenbastler gibts inzwischen kaum noch. Zu meinen Studienzeiten war jeder zweite Student der Elektrotechnik ein solcher, meist den ersten Schritt mit fetten Bässen grad hinter sich liegen lassend. Heute habe ich ganz selten noch mal einen Studenten mit der Vorgeschichte.


    Generell torpediert die preiswerte, halbwegs brauchbare Fertigware jedes Bastelvergnügen. Früher hat man viel selbst "gebastelt", weil fertige Gerätschaften aller Art (mit Anspruch) teurer waren als "Nachbauorgien".


    Grüße aus aktueller C-Quarantäne

    Mattias

  • ... und nicht zu vergessen, die selbstgebauten klangen besser als alles was man für noch so viel Geld fertig kaufen konnte!


    Aber man lernte dabei, beherrschte irgendwann die Technik .... und wurde irgenwann gut dafür bezahlt dass man die "amtlichen" Gerätschaften entwickelte. (die mit Anspruch)

  • Was fehlte vor fast eine halben Jahrhundert an Papas Hifboxen gegenüber Konzerten? Unten alles, oben war nicht dolle, Auslegung gern auf hohe Sprachverständlichkeit. In den Hifi-Läden gabs jede Menge aus der Klasse, nur ganz wenige sehr teure (unbezahlbare) Systeme waren halbwegs mit Pegel in den technisch kritischen Bereichen gesegnet

    Erganzung zum vorigen Post:


    weil man gut bezahlt wurde konnt man sich dann auch die (unbezahlbaren) Systeme leisten die sich nicht mal die noblen Hifi-Läden hinstellten

  • Dass es mir als junger Mensch immer nur um Bass ging, kann ich so jetzt gar nicht bestätigen.

    Dass es zwangsläufig so laut sein mußte, wie ein gutes Livekonzert, schon eher.

    Die ersten Topteile habe ich daher absolut zeitgleich mit den Bässen gebaut.

    Was für mich nach den ersten HiFi Schritten im jugendlichen Alter sehr schnell klar war:

    Wenn der Marshallstack, oder die Snare von der Aufnahme nicht in der originalen Lautstärke wiedergegeben werden kann, dann ist das auch nicht authentisch und damit kein "High-Fidelity".

    Somit konnte ich mich nach einer relativ kurzen HiFi-Phase nicht mehr wirklich für das typische "HiFi-Hobby" begeistern.

    Selbst habe ich zur damaligen Zeit (bis auf ein kurzes Intermezzo als Bassist) (leider) nur klassische Musik gespielt, was ich im Nachhinein sehr bedauert habe. Eine korrekte, orignalgetreue Mittenwiedergabe war für mich aber schon immer das A & O.

    Übertrieben basslastige Musik konnte mich noch nie begeistern. Stilistisch dem Genre Indie-Punk-Hardcore zugetan, mag ich die Snare als dominantes Element im Mix, Gitarren und Gesang beides gleichberechtigt und gleich laut, und mische daher halt auch so. Dass der Mainstream das etwas anders sieht, ist mir seit jeher durchaus bewußt. Dennoch kann ich mit mit dem häufigen anzutreffendem "Kickdrum & Gesang Mix" (Kick und E-Bass sind dabei eh kaum zu differenzieren) mit ein bischen Keyrboard- und Gitarrendekoration nichts anfangen.

    Da sieht sicher jeder anders, aber ich möchte mich dagegen verwehren, dass alle jungen Menschen nur Bass wollen, nur Bassboxen bauen und, abgesehen von einem etwas elitären Publikum, Bass sowieso immer das Allerwichtigste ist.

    Mir ist daher das gepflegte Mittenbrett deutlich lieber als ein in in lauter Basssoße absaufender Sound.

    Das ist aber nur meine ganz persönliche Ansicht, die ich auch niemand anderem aufs Auge drücken möchte.

    So long! ;)

  • es liegtauch sicher daran, das man das mit dem bass am schnellsten beurteilen kann. außerdem ist der bau einer basbox im vergleich zum bau eines tops recht einfach ist. man braucht einfach nur eine aktive weiche und einen amp. der rest ist dann holzkiste mit mindestens einem loch drinn :)


    wenn man sich mit `stammesrhytmen`mal beschäftigt, dann wird man auch da oft igendwas finden was erstmal bass macht. das ist einfacher als irgendwelche mitten oder höhen zu erzeugen.

  • ... und nicht zu vergessen, die selbstgebauten klangen besser als alles was man für noch so viel Geld fertig kaufen konnte!

    ...Wie alt bist du? Das stimmte spätestens seit Martin Modular nicht mehr. Musste man sich aber leisten können, dazu kam das Problem der Beschaffung über Grenzen hinweg in Zeiten vor der EU.

    Die Leute die sich mit viel Mühe ein "Soundsystem" zurechtgeschreinert hatten wollten halt lange nicht zugeben dass die Entwicklung der grossen Hersteller sie überholt hat.

    Economics in eight words: "There ain't no such thing as free lunch."

  • eben und das ist der kern des problems: um heute eine konkurrenzfähige box anbieten zu können, reicht es einfach nicht mehr mal eben ein paar bretter zusammen zu kleben. das ist ja schon eine entwicklung, die sich seit den 90igern zeigt.

    das war auch der grund warum ich das damals aufgegeben habe, das selbstbauen.

  • Was für mich nach den ersten HiFi Schritten im jugendlichen Alter sehr schnell klar war:

    Wenn der Marshallstack, oder die Snare von der Aufnahme nicht in der originalen Lautstärke wiedergegeben werden kann, dann ist das auch nicht authentisch und damit kein "High-Fidelity".

    Ja, eine beliebt Diskussion mit "Hifi-Jüngern", deren Systeme Live-acts nicht mit angemessenen Pegel wiedergeben konnten.

    Wobei bei Live-acts (bzw. auch unplugged in kleinen Locations) Base-Drum und E-Bass Pegel bringen, die unten rum schon ein wenig Pappe erfordern.

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    Einen Aspekt hinsichtlich (der persönlichen) Präferenz mehr Bass versus besserer Mitten/Höhenwiedergabe hatte ich vergessen, der hier eine Rolle spielen könnte.

    Es gibt verschiedene physiologisch begründete Hörtypen, sogenannte Grundtonhörer und Obertonhörer.


    Hier ein link dazu:

    Test: Bist Du Oberton- oder Grundtonhörer? – Ich liebe Obertongesang - Wolfgang Saus
    Mach den Heidelberger Hörtest und finde heraus, ob Du Klang mehr mit der rechten oder der linken Gehirnhälfte verarbeitest.
    www.oberton.org


    und vlt zur eigenen Einordnung etwas schneller nachvollziehbar, da über musikalische Präferenzen recht gut passend. Für mich als reinem Zuhörer und nicht Musiker überwiegend zutreffend, was meinen Musikgeschmack betrifft.


    Klangwahrnehmungstest, Aufbau


    Grüße

    Mattias

  • Alex K.

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