Ich will in die VA-Branche! - Live Sound / FOH, professionell

  • Ist doch eigentlich egal, oder? Der Ansatz, den Markt nicht kaputt zu dumpen, sollte grundsätzlich gelten.

    Ich muss mich da selbst auch immer dran erinnern. Ich lebe primär von was anderem, dann von Mücke, und dann kommen erst die Audiojobs. Trotzdem sehe ich zu, mich dem in meiner Gegend geltenden Satz anzupassen.

    Klar gibt's immer Mal Ausnahmen. Jeder hat ja so seine Herzenssache, die ohne Freundschaftspreis einfach gar nicht stattfinden würde. Das ist aber genau das: Die Ausnahme. Und die sollte es auch bleiben.

  • In meiner Welt war das mal so, ist es aber überhaupt nicht mehr. Ich bin froh ausschließlich von Profs umgeben zu sein.

    Und das ist auch generell gut so. (Punkt)

    "geht nicht" ? - gibt's nicht !

    ...ja, das war schon immer mein Avatar :evil:

    "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens" (Friedrich Schiller, " Jungfrau von Orleans")

  • In meiner Welt war das mal so, ist es aber überhaupt nicht mehr. Ich bin froh ausschließlich von Profs umgeben zu sein.

    Hmm, was ist ein Profi? Ich würde mich definitiv nicht als Profi sehen. Dazu ist mein Wissen zu begrenzt. Aber das was in meinem Universum so kommt, kann ich (denke ich) recht gut.

    Ist ein Profi also der Hauptberufler der aber gerade keinen Bock hat?

    Oder ist eventuell derjenige der Profi, der das nebenher macht, aber motiviert und dadurch sich entsprechend Wissen und Erfahrung angeeignet hat?

    Ich verstehe was du mit deiner Aussage meinst.

    Aber ich würde das nicht so hart pauschalisieren.

    Schöne Pfingsten!

  • Wir hatten die Diskussion schon öfter. Ich finde eine reine Definition über den 'Vollerwerbler' weiter zu vereinfacht. Vielleicht erläutert ThoSchu mal genauer, wie er das meint.


    Ich zitiere mal noch den geschätzten Moderator-Kollegen. Das Zitat ist ~ 10 Jahre alt:

  • Wir hatten die Diskussion schon öfter. Ich finde eine reine Definition über den 'Vollerwerbler' weiter zu vereinfacht. Vielleicht erläutert ThoSchu mal genauer, wie er das meint.

    Danke!
    Ich kann mir schon vorstellen, was er meint. Da gibt es sicher genügend "Profis" die mit stolzer Brust wichtigtuerisch rumlaufen und so tun als wären sie der Käse - dabei stinken sie nur so *finger


    Für mich ist man ein Profi, wenn man einen abgesteckten Bereich beherrscht.

    Und man sich bewusst ist, was man nicht oder nur ungenügend bedienen kann.

    Wenn man dann noch so frei ist und das zugibt und andere um Hilfe bittet, dann hat man den Titel Profi verdient.

    Ich habe es zum Beispiel mit Licht überhaupt nicht. Klar kann ich ein DMX Universum aufbauen.

    Aber an den Lichtkonsolen werde ich wahnsinnig. Keine Ahnung warum.

    Mache das einfach zu selten. Und wenn ich es dann mal machen muss, weil ich gerade keinen finde, der mir helfen kann, stelle ich mich natürlich an wie ein Depp.

  • Ich denke, es ist so:


    Lisa hat ja oben Eigenschaften (Neudeutsch 'skills'), die meiner Meinung den Profi ausmachen, sehr gut zusammengefasst:


    Jemand, der alle diese Eigenschaften auf sich vereint, kann sehr gut Erwerbsprofi sein und innerhalb des Veranstaltungsgewerbes sowohl als Inhaber einer Firma, als freelancender Einmannbetrieb aber auch als Angestellter seinen Lebensunterhalt verdienen. Ganz sicher trifft das auf alle die, die bis hierhin das statement von Thoschu oben positiv bewertet haben und die ich in ganz unterschiedlichen Nischen des Gewerbes eingebettet aber als gleichermaßen erfolgreich kenne, zu.

    Trotzdem kann man meiner Meinung nach zumindest hier in Deutschland auch heute noch die Grenze zum Profitum nicht nur über Ausbildung und Vollerwerbstätigkeit definieren.


    1. ( und ich denke, das wollte mfk0815 oben auch zum Ausdruck bringen) Man kann alle diese o.g. Skills in eine Veranstaltung einbringen und professionell dafür abrechnen ohne Vollerwerbs-VTler zu sein. Die Geschichte des Berufsbilds und der Erwerb der genannten Eigenschaften und Fähigkeiten auch ausserhalb lassen das zu.

    2. Man kann angestellte ausgebildete Vollerwerbsfachkraft sein und nicht einmal die Hälfte der o.g. skills mitbringen. Trotzdem kann man in einer deutschen VT-Firma, einem Kulturbetrieb oder was auch immer überleben und Leuten, die einen professionellen Job machen wollen, mit Unprofessionalität gehörig auf die Nerven gehen.

    3. Skills können in einer in ihrer Gesamtheit professionell funktionierenden Konstruktion auch sehr unterschiedlich verteilt sein. Klassiker wäre für mich das Duo aus einem extrovertierten, eloquenten sympathischen Verkäufertyp mit nur sehr begrenzter fachlicher Kompetenz und einem gut organisierten technisch hochkarätigen Durchführer, der aber nicht so gut mit Leuten kann. Die kann man beide je nach Blickwinkel als ausgesprochen unprofessionell erleben und trotzdem sind sie gemeinsam erfolgreich.

    4. 'fact of life' ist für mich, dass Licht und Schatten, Profi- und Nichtprofitum ganz unabhängig vom „Erwerb“ nebeneinander existieren also sowohl der gut organisierte und fachlich hervorragende Nebenerwerbler z.B. mit Hauptberuf im IT Bereich, der sich seine Arbeitszeit gut so einteilen kann, dass er 66/33% in beiden Berufen geregelt kriegt, als auch der ahnungslose 'von Beruf Sohn' Profi, der eine VT-Firma mit etlichen Angestellten aus dem Familienvermögen finanziert. ;)

  • Danke lisa und guma, klasse Zusammenfassung.


    Wichtig ist auch seine Grenzen zu kennen, sowohl inhaltlich als auch im Zeitmanagement.


    Dieser nette Typus von TechnikerIn, die/der zu allem "ja mach ich, alles klar, kein Problem, kenn ich mich aus" sagt, aber dann doch in Probleme rennt, sobald etwas nicht wie erwartet läuft, ist leider auch noch nicht ausgestorben.


    Da ist mir ein knappes: "Ich fühle mich bei der Sache nicht wohl" viel lieber...


    Nachtrag zu meiner momentanen Welt: Bei uns sitzen mehrere Festangestellte, die sich nur um die Planung und Ausführung von "Baustellen" kümmern. Jeder davon hoch Qualifiziert und mit viel Erfahrung in einem ziemlich gut funktionierendem Team. Entsprechend wenig "Unprofessionalität" begegnet mir, auch wenn diese sicher im Detail trotzdem vorkommt (und nur nicht von mir bemerkt wird).

  • wenn man mal ehrich ist, dann macht es im moment sehr viel sinn, sich fest anstellen zu lassen. es gibt eigentlich keinecompany, die nicht freie stellen zu besetzen hat. außerdem geht der trend dahin, das die companys die guten jobs an die festen vergeben. das was weniger spaß macht, an die freien.

    ich würde heute auch wegen der sozialenabsicherung, deren wert nicht zu unterschätzen ist, einen festen job suchen.

  • Da ich ja jetzt einige Wochen lang mit ca 15 diversen Jobs reinschnuppern durfte, habe ich jetzt einen viel besseren Eindruck von den Sonnen- und Schattenseiten dieser Welt.


    Was ich grob erlebt habe in dieser Zeit:

    • "Techniker für alles", ich als Mann für Ton+Licht+Bühne in 5-100 Mann Clubs/Kulturvereine - teilweise sehr amateurhaft, nichtssagende oder falsche Rider, auch mal sehr stressig (10 Mann Kapelle, 3 Bläser, +Percussions, Rhodes mit Leslie zu mikrofonieren, dann noch spontan 3 inear-Sender die mir im 20-min Rhythmus über "ach ja, ich hab noch.." präsentiert werden) aber wunderbar um wieder warm zu werden, mit Stress umgehen zu können, neue Sachen auszuprobieren wie Subgruppen Processing, 2 BD/Snare Mics, Monitor als Front-Fill "zum Spaß" umstellen und schauen wie ich per Matrix einbinde usw.
    • Technik in erbärmlichen Zustand, Umgang mit Stress wegen defekten Kabeln/Mikros/DI-Boxen. Identische Monitore die alle verschieden klingen, verschieden laut sind, Phasendreher im TT,.... Nass-flutschige Mikrokabel, die auf Nachfrage angeblich vor 2 Wochen mal im ausgelaufenen Nebelfluid baden gewesen waren.
    • Team aus 2-3 Technikern, jeder hat seine Aufgabe, man hilft sich gegenseitig - super Menschen, macht Spaß, fühlt sich gar nicht wie Arbeiten an
    • als Team mehrere Bühnen gleichzeitig bedienen bei kleinerem Festival-Format - habe meine eigene Bühne aber man hilft wo man kann gegenseitig
    • kennenlernen und mitwirken von professionelleren Produktionen, auch internationale Künstler, 200-500 PAX, selbst mischen oder Rolle "Pultsitter" für Bandtechniker
    • Act der meinen Sound so gut findet dass er mich schon während dem Soundcheck fragt ob ich nicht seine weiteren Konzerte mischen will. (Siehe letzter Post von mir.) Dadurch Erfahrung machen dürfen über Festival Ablauf, Backstage/Künstlerbetreuung, Mischen auf der Main Stage 16x8m, K1 Line Array und mich daran erinnert dass man mit jedem Next-Level wieder bei 0 anfängt :). Sound Ergebnis war ganz okay aber lange nicht perfekt, und bis dahin echt nicht leicht. Anreiz es zukünftig noch deutlich besser machen zu können.

    Was ich wirklich liebe, ist dass alle Ton- und Lichtkollegen die ich kennen lernen durfte eine ähnliche Einstellung wie ich habe: Wir wollen das beste Ergebnis mit den verfügbaren Mitteln.


    Ob für mich in absehbarer Zeit (1-2 Jahre) die Kündigung meines aktuellen Jobs und die Entscheidung ganz in die VA-Branche zu wechseln erfolgt, bezweifel ich aber. Das liegt weniger daran, dass mir die "Schattenseiten" zu stark missfallen, sondern eher dass ich das Modell ganz gut finde in meinem Hauptjob zu bleiben, mit dessen Vorzüge besonders finanziell und absicherungstechnisch, und nebenher mir nur die VA-Jobs aussuchen kann die mir auch Spaß machen - oder ich auch mal weniger machen kann wenn ich anderen Dingen in meinem Leben mehr Priorität geben mag.

    Tatsächlich fällt natürlich schon der Punkt ins Gewicht, dass durch die Abend/Nacht und Wochenend-Jobs das Zusammenleben in meiner Beziehung beansprucht wird.


    Natürlich kann ich so dann keine Tour mitmachen, und Jobs die nicht erst am Nachmittag beginnen gehen auch nicht. Was ich auch schon merkte ist dass meine Professionalität in Frage gestellt wird wenn manche VA-Kollegen oder besonders Kunden erfahren, dass ich das neben meinem Hauptjob in anderer Branche mache. (Hinweis: ich sehe mich natürlich auch nicht als Profi unter dem Aspekt, dass ich mit jahrelanger Erfahrung mein Gebiet perfektioniert hätte. Aber ich gehe jeden Job mit dieser Ambition an und bin mir sicher dass mit solch einer Einstellung und einfach mehr Zeit+Erfahrung ich auch nebenberuflich auf ein solches Level komme, auch wenn das länger dauern wird.)


    Ich bin mir schon sicher, dass ich in der VA-Branche auch eine Festanstellung bekommen könnte. Vielleicht davor noch auf den A*sch setzen und Kurse + Externenprüfung für die Fachkraft Veranstaltungstechnik machen.

    Dann wären aber o.g. Vorteile hin, dass ich mir meine Jobs ganz aussuchen darf auf was ich Lust habe. Dann "muss ich wieder" was womöglich zu stellenweise ähnlicher Frustration wie im aktuellen Job führen Könnte. Davor habe ich durchaus Angst. Bspw. habe ich bisher keine Jobs angenommen über Redner-Beschallung/Tagung/etc. Würde mich da voll langweilen. Auch Disco/Party Sachen mach ich ungern. DJ-Setup aufbauen, PA-Anschluss mit Limiter, bis 3-5 Uhr absitzen, Fragen der DJs warum das nicht lauter geht.. nein.

    Ich mag Musik mischen und meine Skills verbessern.

    Klar, vielleicht sehe ich nicht die ganze Breite der VA-Companies. In einem festen Team verschiedene größere Festivals zu betreuen würde mich schon reizen. Ich habe dennoch den Eindruck dass es vermehrt Freie sind, die sich durchaus als Team schon häufiger zusammen gestellt haben, und dann für solche Jobs wieder gebucht werden.

  • um an die großen jobs zu kommen, muß man eben in einer Seilschaft sein. das geht aber im grunde auch kaum nebenbei.

    im grunde ist es auch ähnlich, ob du nun auf einer 4*6 bühne stehst oder 12*10. die Probleme sind die gleichen, nur eben etwas größer ;)

    ich habe z.b. ein paar fragen zu einem bandrider an die bookerin geschickt, sinngemäße Antwort: in 2-3 Wochen gibt es da eine Antwort. kunde möchte natürlich im Vorfeld wissen was das Konzert kostet und die techs was sie denn da aufbauen müssen.