Selbst die US-Marine mag keine Touchscreen Steuerung

  • Wie man auf die Idee kommen kann, dass sich ein Touchscreen zur Steuerung eines Schiffes eignen könnte...? Wer schon einmal auf einem Schiff war und schon einmal einen Touchscreen bedient hat müsste wissen, dass das nicht gut gehen kann.

  • Ein gutes Beispiel dafür das wir Techniker mit unserer gesunden Skepsis gegenüber neuem doch richtig liegen :saint::evil::P


    Andererseits ist auch da auf dem Schiff der Touchscreen nur das sekundäre Problem:

    Zum einen ist da die dumme Idee das falsche Werkzeug am falschen Ort zu verbauen, zum anderen steht da ganz klar was von Überforderung der Crew durch z.b. Schlafmangel.

  • zum anderen steht da ganz klar was von Überforderung der Crew durch z.b. Schlafmangel.

    Schlafmangel ist ja in der Armee (gewollter, bzw. bewusst herbeigeführter) Dauerzustand.


    Aber, wer schonmal versucht hat, ein Autoradio auf einer holprigen Schotterstrasse zu bedienen, kann sich vorstellen wie gut das geht, per Touchscreen präzise Eingaben zu tätigen, wenn es mal so richtig Seegang hat...


    Auch lustig ist, wenn Flüssigkeiten über den Screen tropfen und das Ding ein Eigenleben entwickelt...

  • Schlafmangel ist ja in der Armee (gewollter, bzw. bewusst herbeigeführter) Dauerzustand.


    Aber, wer schonmal versucht hat, ein Autoradio auf einer holprigen Schotterstrasse zu bedienen, kann sich vorstellen wie gut das geht, per Touchscreen präzise Eingaben zu tätigen, wenn es mal so richtig Seegang hat...


    Auch lustig ist, wenn Flüssigkeiten über den Screen tropfen und das Ding ein Eigenleben entwickelt...

    Das wird sich hier zu 99% um einen resistiven, nicht multitouch-fähigen Bildschirm handeln, allein wegen der Flüssigkeits- und Handschuhproblematik.


    Es gibt eine sehr gute Präsentation zu dem Thema, wie sich solche Unfälle entwickeln, hier am bspw. Three-Mile-Island (in Englisch):

    ,

    Aus guten Grund gibt es daher bei kritischen Mensch-Maschine-Schnittstellen, bspw. in Flugzeugen verschiedenste Systeme, um den Bediener selbst in stressigen Momenten noch die notwendigen und wichtigsten Dinge mitzuteilen, wie bspw. den Stick-Shaker oder auch Tonbandansagen. Einfach um bei der Fülle der Informationen noch einen Kanal zu haben, der diese auch zu dem Bediener hindurch bekommt.

  • Als ob heutzutage noch irgendwer auf die Strasse schauen würde beim Autofahren... :rolleyes:

    wenn ich richtig gelesen habe, dann gehen unfallforscher davon aus, dass heute ca. ein drittel (!) der unfälle auf ablenkung der fahrer durch elektronische geräte zurückgehen!


    es wird echt zeit, dass die autos selber fahren, denn der mensch beherrscht es offenbar immer weniger.

    und wie ich täglich sehe sind ja viele autofahrer schon von der betätigung ihres blinkers heillos überfordert... <X

  • Aus guten Grund gibt es daher bei kritischen Mensch-Maschine-Schnittstellen, bspw. in Flugzeugen verschiedenste Systeme, um den Bediener selbst in stressigen Momenten noch die notwendigen und wichtigsten Dinge mitzuteilen, wie bspw. den Stick-Shaker oder auch Tonbandansagen. Einfach um bei der Fülle der Informationen noch einen Kanal zu haben, der diese auch zu dem Bediener hindurch bekommt.

    ah ja, so wie in der Boing 737 MAX?

    oder wie in den genannten zerstörern??

    oder wie bei den strassenfesten, wo "kein FOH möglich" ist?


    (zugegeben: letzteres ist nur für die ohren gefährlich, das leben kann auch ohne hörsinn noch weitergehen. das risiko ist hier also definitiv am kleinsten)

  • ah ja, so wie in der Boing 737 MAX?

    oder wie in den genannten zerstörern??

    oder wie bei den strassenfesten, wo "kein FOH möglich" ist?

    Offensichtlich hat das Interface der Zerstörer diesem Anspruch nicht genügt, das geht ja auch aus dem Artikel hervor.

    Bei den beiden 737-Max-Abstürzen ist die Ursache für die Abstürze nach derzeitigem Stand nicht im Interface zu suchen, sondern auf eine sehr dämliche Verkettung von Design-Fehlern zurückzuführen. Die Piloten trifft vermutlich keine Schuld und ein Abstutz war so gut wie unvermeidbar.


    Das wir nicht in einer perfekten Welt leben, sollte klar sein. Und es fehlt eben oft genug an guten Bedienschnittstellen.


    Edit: Deswegen bin ich auch ein großer Fan von View-Tasten und zumindest rudimentären Channel-Strips. Regler, die gleichbleibende Funktionen haben und ein optisches Feedback erhöhen die Bediensicherheit.

  • Hier wurde schon sehr vieles, meiner Ansicht nach, richtiges gesagt. Ich erlaube mir mal die Zitate etwas zu sortieren:

    Wo ist denn das zu Ende gedacht? Ich sehe da ein Rad links neben den Touchscreen.

    Wozu soll das wohl gut sein?

    Aber, wer schonmal versucht hat, ein Autoradio auf einer holprigen Schotterstrasse zu bedienen, kann sich vorstellen wie gut das geht, per Touchscreen präzise Eingaben zu tätigen, wenn es mal so richtig Seegang hat...

    Als ob heutzutage noch irgendwer auf die Strasse schauen würde beim Autofahren...

    ...oder auf das Meer ...

    Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine Jeremy Clarkson hat einst sinngemäß von sich gegeben: wie solle er denn ein Fahrzeug bedienen, wenn er ständig darüber nachdenken muss, ob sich das gewünschte Bedienelement in dem Moment an der zu erwartenden Stelle befindet?

    (Ich wüsste bei dem von mir verlinkten Audi Cockpit tatsächlich nicht, wo/wie ich das Radio bedienen soll.)

    wenn ich richtig gelesen habe, dann gehen unfallforscher davon aus, dass heute ca. ein drittel (!) der unfälle auf ablenkung der fahrer durch elektronische geräte zurückgehen!

    Aus guten Grund gibt es daher bei kritischen Mensch-Maschine-Schnittstellen, bspw. in Flugzeugen verschiedenste Systeme, um den Bediener selbst in stressigen Momenten noch die notwendigen und wichtigsten Dinge mitzuteilen, wie bspw. den Stick-Shaker oder auch Tonbandansagen. Einfach um bei der Fülle der Informationen noch einen Kanal zu haben, der diese auch zu dem Bediener hindurch bekommt.

    ah ja, so wie in der Boing 737 MAX?

    oder wie in den genannten zerstörern??

    oder wie bei den strassenfesten, wo "kein FOH möglich" ist?

    Offensichtlich hat das Interface der Zerstörer diesem Anspruch nicht genügt, das geht ja auch aus dem Artikel hervor.

    Das wir nicht in einer perfekten Welt leben, sollte klar sein. Und es fehlt eben oft genug an guten Bedienschnittstellen.

    Es gibt Unfallforscher die mit einen Grund im Verlust von Air-France-Flug 447 darin sehen, dass bei den von Airbus eingesetzten Sidesticks der eine Pilot kein Feedback darüber erhält, welche Eingaben der andere Pilot gerade vornimmt. Auch analog anmutende, haptische Bedienelemente bergen ihre Risiken.


    Ich befasse mich beruflich jeden Tag mit Touchscreens, Visualisierungen auf solchen, Bedienkonzepten und teilweise Steuerungen. Uneingeschränkt begeistert bin ich daher davon nicht, denn 4Art bringt es auf den Punkt:

    Im Prinzip ist das Ganze sehr einfach: Touchscreen gleich kostenoptimiert (oder einfacher gesagt: Billig), Knöpfe, Drehregler und Fader gleich teuer.

  • Im Prinzip ist das Ganze sehr einfach: Touchscreen gleich kostenoptimiert (oder einfacher gesagt: Billig), Knöpfe, Drehregler und Fader gleich teuer.

    Das ist mir etwas ZU einfach (oder nicht zuende gedacht...).

    So'n Schiff kost' ja auch zweimarkfuffzig und im Ernstfall (der ja hier auch deutlich unbequemer wird, als das über den nicht vorhandenen FoH gekippte Bier) muss auch der dreibeinige, einäugige Hund des Käptn's wenigstens die nautischen Grundmanöver ausführen können.


    Die leichtgängigkeit eines Touchscreens ist sicher ein tolles Feature - aber unter feindlichem Beschuß wär' mir son robuster Hebel, an dem ich auch Wut, Angst & Unfähigkeit auslassen kann, deutlich lieber.

    Wer entwickelt sowas? Die Planer der Zumwalt-Klasse?!?

    Da lob' ich mir ja schon fast den Ruf der genauso zuverlässigen Bundeswehr-Ausrüstung...:rolleyes: