steigende Preise bei Neodym - zurück zu Ferrit?

  • die ausfurbeschränkungen für "seltene erden" in china machen sich nun langsam bemerkbar.
    die preise für neodym steigen an, so das auch die chassishersteller ihre preise anpassen müssen.
    ob die aktuellen preiserhöhungen das ende der fahnenstange sind, steht in den sternen. ich denke wohl eher nicht...


    vor allem im bassbereich ist der einsatz von neodym meiner ansicht nach nicht zwingend nötig, für mein ohr klingen ferrit-getriebene bässe vor allem im grenzbereich sogar deutlich knackinger als die neodym-typen.
    ich hab natürlich nix gegen leichte tops, dort kann das neodym seinen gewichtsvorteil vor allem bei hoch und mitteltontreibern ausspielen. aber bei bässen konnte ich im direkten vergleich so gut wie immer heraushören, das die ferrit-LS einfach knackiger spielen. das gewicht spielt hier auch nur eine untergeordnete rolle, da die boxen in der regel nur gerollt und dann auf den boden gelegt werden.


    könnte sich der hohe preis bei diesem werkstoff tatsächlich zu unseren gunsten auswirken ?


    kleine anmerkung vorab:
    natürlich gibt es nutzer von neodym-bässen, die mit ihren produkten sehr zufrieden sind. das will ich damit ja gar nicht anzweifeln. doch es gibt natürlich unterschiede im geschmack.


    was ich mich frage:
    das werbewort "neodym" kommt auch bei bässen immer häufiger vor.
    aber ist es neute wirklich unbedingt nötig, auch in bässen neodym einzusetzen??

  • Deine Wahrnehmung kann ich nur teilen:


    Konstruktion und Materialwahl spielen bei Magnetsystemen
    eine zentrale Bedeutung.


    Spannend auch hier die Frage nach den Ursachen.
    Da scheint die Landkarte ja noch komplett weiß zu sein ...


    Neben den inhaltlichen und politischen Debatten rund um
    die Verfügbarkeit billiger Rohstoffe scheint es mir auch so, dass allein
    der Begriff "NeoDym" schon als Ausweis für Qualität und Innovation gilt.


    Solcherlei hat sich ja bei anderen "Buzzwords" gezeigt und scheint,
    von vielen Marketingmillionen getrieben, nicht aufhaltbar zu sein und
    sich vollständig von jeder inhaltlichen Sinnhaftigkeit zu emanzipieren.


    Eben eine der Schönheiten von Markt, Kapital und Konkurrenz,
    dass Inhalte die Tendenz haben sich zu marginalisieren ...

  • der gewichtsunterschied ist bei subwoofern nicht so gross wie man denken könnte.
    das gewicht der chassis spielt wegen des ohnehin recht grossen materialeinsatzes (stichwort gehäuse) eine kleinere rolle als bei topteilen.


    und was nützen mir leichtere bassboxen, wenn ich mehr davon brauche... ;-)

  • Nach meiner Erfahrung haben alle magnetische Abtriebssysteme massive Nichtlinearitäten.
    Denen allein messtechnisch beizukommen ist schon die erste Herausforderung. :!:


    Dazu dann schlüssige Alternativen zu entwickeln, die tatsächlich besser sind, der zweite Schritt.


    Das Gewicht einer Bassbox ist m.E. eine fundamentale technische Eigenschaft
    mit hoher Relevanz für das klangliche Ergebnis, nicht nur bei Bassboxen.


    Je höher z.B. das Gewicht, desto geringer die Auslenkung und damit die Schallabstrahlung
    des Gehäuses bei gegebenem mechanischem Impuls des Lautsprechers.


    Da wäre es schon sehr die Frage, ob die wahrgenommenen Unterschiede tatsächlich
    vom verwendeten Magnetsystem kommen ...

  • Masse = Festigkeit? Gewagte These. :)


    Alles nur Physik.
    Bunkerbauer und Flugzeugkonstrukteure bedienen sich auf dem Gebiet allerdings durchaus unterschiedlicher Problemlösungsansätze.


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • Klopfst Du zur Schallerzeugung mit der Dustcap auf die Schallwand? :D

    Zitat

    ... die Auslenkung und damit die Schallabstrahlung des Gehäuses ...

    – dafür ist die Biegesteifigkeit (also eine Festigkeitseigenschaft) seiner Wände maßgeblich. Die kannst Du ohne Frage recht einfach durch große Massen (50cm Beton?) positiv beeinflussen. Aber eben auch durch andere konstruktive Maßnahmen. Die Du ganz sicher auch ergreifen wirst, sofern Du keine Immobilie zu konstruieren beabsichtigst. Schwer = gut und leicht = schlechter ist hier zu einfach.


    Was dann wieder hervorragend zur Threadfrage passt. Neodymium oder Keramik ist m. E. keine Frage des Prinzips, sondern der Anwendung. Den auf den Luftspalt konzentrierten Flusslinien sollte es egal sein, welcher magnetischen Quelle sie entspringen. Jahrzehntelang nahm man bei Lautsprechern überhaupt keine Permanent -, sondern Elektromagnete; das funktionierte genauso und lag nahe, weil Spulen vergleichsweise billig waren und Strom eh in unmittelbarer Nähe des Chassis floss.


    Vorteil Neodymium: geringes Gewicht. Das bedeutet, neben weniger Aufwand für die Korbkonstruktion und/ oder mehr Robustheit des Chassis gegenüber mechanischer Belastung, vor Allem eben weniger Gewicht der gesamten Kiste; wirtschaftlich bedeutsam für alles, was ständig transportiert werden muss. Nachteil: teuer, und thermisch sensibel (weiß nicht, inwieweit das noch gilt).
    Vorteil Keramik: vergleichsweise billig, thermisch unkritisch. Nachteil: schwer, mechanisch aufwändige Konstruktion notwendig.


    Die Ideale Bassbox für den stationären Betrieb ist direkt in den Fels geschlagen und beinhaltet Chassis mit Keramikmagneten.
    Die ideale Bassbox für den mobilen Betrieb besteht aus Carbonfaser – Magnesiumschaum – Compound und beinhaltet Alnicochassis.


    In der Praxis müssen wir allerdings bisher leider mit dem einen oder anderen Kompromiss leben; z. B. mehr oder weniger intelligent versteiften Multiplexgehäusen und Neodymium. Das hält's spannend.


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • Respekt! :D
    Zumindest in Amiland soll’s ja auch ein paar Spezialisten geben, die sich ihre traditionelle Holzhütte um die gemauerte Wohnzimmerbassbox drum herum gebaut haben.


    Aber selbst auf’m Bau hat man in jüngerer Vergangenheit erfolgreich ein paar Konzepte zur Verbesserung von Wandversteifungen entwickelt, die über das reine 'Prinzip Raumgewicht' hinausgehen:


    http://www.weltwunder-online.de/fullsize/pyramiden-2.jpg
    http://de.academic.ru/pictures…Kathedrale_Bourges_v2.jpg


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • diese abstützungen braucht man schon sehr lange nicht mehr, weil man irgendwann mal den ringanker erfunden hat, damit das gewicht des daches nicht mehr die mauern auseinanderdrückt...
    ja, mein erster beruf hatte etwas mit beton zu tun... aber lassen wir das ;-)


    die diskussion droht hier schon etwas abzudriften.
    deshalb möchte ich mal wieder zum ausgangsthema zurück.
    und zwar mit einer überlegung, von der ich nicht genau weiss ob sie wirklich zutreffend ist.
    ich denke dabei an die grundsätzliche konstruktion eines basslautsprechers, typischerweise ja ein "langhuber".
    wenn eine schwingspule bewegt wird, muss das megnetfeld über den ganzen bewegungsbereich (also von ganz hinten bis ganz vorne) möglichst gleichmässig sein. hier komme ich zu meiner überlegung: neodym ist an sich schon ein recht teures material, welches nun immer teurer wird.
    um trotzdem preislich interessante chassis zu bauen, muss man also eventuell ein bisschen am einsatz dieses materials sparen. dies könnte wiederum bedeuten, das die kraft des magnetfeldes im randbereich der bewegungsbahn bereits etwas nachlässt. die max. leistung würde dabei nicht reduziert, nur das ansprechverhalten im grenzlastbereich könnte damit beeinträchtigt werden.
    diese betrachtung könnte für mich erklären, warum neodym-bässe bei hoher belastung gerne mal ein bisschen kraftlos und verwaschen klingen.


    das die verschlechterung der impulswidergabe auch mit einem geringeren gewicht zu tun haben könnte (stichwort massenträgheit), scheint mir aber auch eine erklärungsmöglichkeit zu sein.
    möglicherweise ist es eine kombination aus beidem?


    ich möchte hier nochmal betonen, das es mir nicht um eine generelle verteufelung von neodym in bässen geht. ich stelle mir nur die frage, ob das wirklich sinnvoll ist.

  • Ich verstehe das eher so: Magnet = Motor. Polplatte(n) und Schwingspule = Getriebe. Letztere entscheiden über die Anpassung der magnetischen Kraft auf die bewegte Masse. Die Länge des Luftspaltes entspricht dem Gang: Highspeed (Kurzhuber mit hohem Wirkugsgrad) oder Geländeuntersetzung (Langhuber für lineare hohe Auslenkungen). Oder halt was dazwischen.
    Angenommen, es wäre verlustfreier Transfer der magnetischen Kraft möglich, könnte der Magnet auch irgendwo im Gehäuse sitzen.


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • "billbo" schrieb:

    ...
    Angenommen, es wäre verlustfreier Transfer der magnetischen Kraft möglich, könnte der Magnet auch irgendwo im Gehäuse sitzen...


    ja, aber nur dann 8)


    den begriff "langhuber" bitte ich nicht allzu wörtlich zu nehmen, im vergleich zu einem hochtöner ist ein basschassis immer ein langhuber... :wink:

  • Ja, der Ringanker ist sicherlich sogar noch ein wenig transportfreundlicher, im Vergleich mit 6 Millionen Tonnen Steinquadern. Aber nicht so hübsch anschaulich :D .

    Zitat

    ja, aber nur dann 8)

    Deshalb sitzt er auch so nah wie möglich an den Polplatten und ist mit ihnen so plan wie möglich verbunden. Wo er dabei auf der umgeklappten N/S Achse sitzt, ob innerhalb der Schwingspule (weil er stark und daher klein genug ist/ Alnico + Neodym) oder außen rum ist erst mal wurscht. Magnetisch stärkeres Material hat aber den Vorteil, dass man davon sogar noch überproportional weniger braucht, weil seine Gesamtmenge näher am Achsmittelpunkt liegen kann als ein großer Prozentsatz der für gleichen Antrieb erforderlichen größeren Menge schwächeren Materials.
    (Beim Korrekturlesen wird mir leicht schwindelig, aber ich glaube, der Satz stimmt so :lol: ).


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • ... :lol: ...


    Admin!!!
    ...das war nun wirklich offtopic...schäm dich!!


    Der Herr Studt (Studt-Akustik) ist erklärter nicht Neodym-Freund.
    Zitat: "Ich habe noch keinen Neodym-Speaker für gut befunden, die hab ich alle zurückgeschickt."
    ...auch eine Möglichkeit mit Neodym umzugehen.

    Nicht laut, lieber schön.


    Fränkie

  • "billbo" schrieb:

    Jahrzehntelang nahm man bei Lautsprechern überhaupt keine Permanent -, sondern Elektromagnete; das funktionierte genauso und lag nahe, weil Spulen vergleichsweise billig waren und Strom eh in unmittelbarer Nähe des Chassis floss.


    Nun ja, in vielen Kisten gibts heutzutage wieder Strom in der Nähe des Chassis, mal sehen, wenn der elektrodynamische Lautsprecher zurückkommt. Es gäbe da sicher interessante Möglichkeiten zur Einflußnahme auf das Magnetfeld in Abhängigkeit der Position der Schwingspule :-)


    Gruß Jörg

  • Ja, an diese Möglichkeit habe ich auch schon mal gedacht.
    In Zeiten, wo Mikroprozessoren nur noch Pfennigartikel sind und Programmieren demnächst auf Wiki – Level stattfinden wird ist der Gedanke durchaus sexy, nicht nur das Signal, sondern auch das bislang festgelegte Ende - die magnetische Komponente - in Echtzeit beeinflussen zu können. So was könnte die erste wirkliche Neuerung seit mehr als einem halben Jahrhundert im Chassisbau werden.
    Schaun wir mal, was die Zukunft da vielleicht noch alles bringt.


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • Moving magnet = große bewegte Masse = nix gut.:D
    Ich denke auch nicht unbedingt an die Wiederauferstehung des elektromagnetischen Freischwingers.:-D

    Der elektrodynamische LS dagegen (mit Feldspule statt Permanentmagnet) hat eigentlich nur den prinzipiellen Nachteil, dass er auch im Ruhezustand Energie verbraucht. Aber zumindest theoretisch den Vorteil, dass sich mit dieser Energie das magnetische Feld nach Belieben und spielend leicht von Null bis Max. beeinflussen lässt. Und den ganz praktischen Vorteil, dass Weicheisen ein noch viel günstigeres 'Magnetmaterial' ist als Ferrit/ Keramik.


    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."